Jugendstil –
La Belle Époque

6.12.2021 – 01.05.2022 | Kuratiert von Dr. Olena Balun | Städtische Galerie Rosenheim

Der Jugendstil war eine ausnahmslose Erscheinung der Jahrhundertwende, allein schon weil es ihr wie keiner anderen Kunstrichtung gelungen ist innerhalb einer relativ kurzen Zeit so viele Lebenssphären zu durchdringen. Die Verbreitung reichte in Ganz Europa und Amerika von der Bildenden Kunst und Architektur, über Mode und Luxusinterieurs bis zu profanen Zigarettenschachteln und Werbeschildern. Nicht umsonst wird der Jugendstil oft als der letzte internationale Stil bezeichnet.

In der Ausstellung „Jugendstil – La Belle Époque“ haben wir den kunsthistorischen Kontext etwas weiter gefasst. Üblicherweise wird der zeitliche Rahmen des Jugendstils von der Mitte der 1890er Jahre bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs definiert. Die Grenzen der Epochen und Stile sind aber fließend in der Kunstgeschichte. Die Anfänge jener Erscheinung, die später als Jugendstil, Art Nouveau oder Liberty bekannt wurde, reichen tief ins 19. Jahrhundert. Reformbewegungen wie Arts and Crafts Movement und Aesthetic Movement in angelsächsischen Ländern, oder die Geisteshaltung des Symbolismus in Frankreich und Belgien waren wichtige Vorboten für seine Entwicklung. Auch der Erste Weltkrieg setzte dem Stil kein abruptes Ende, obwohl er natürlich hemmend für die visuelle Luxuskultur der Jahrhundertwende war. Die Gestaltungsrichtung Art déco trug in reduzierter, abstrahierter Form einige Elemente des Jugendstils bis in die 1930er Jahre weiter.

Die Atmosphäre der Jahrhundertwende, die sowohl ausschweifende Opulenz als auch reduzierte Eleganz kannte und einen wahren Kult der Schönheit [1] hervorbrachte, die intellektuelles Gedankengut, exquisites handwerkliches Können mit enormer Sinnlichkeit zu vereinen wusste, wollten wir in der Ausstellung erlebbar machen. Dabei ging es sowohl um prominente als auch um weniger bekannte Exponate. Wichtig war es, die Werke zu kontextualisieren, ein zusammenhängendes Bild im internationalen kunsthistorischen Rahmen nachvollziehbar zu machen, um dann die Aufmerksamkeit auf Details und auch auf regionale Entwicklungen lenken zu können.

[1] Vgl. Norbert Wolf: Jugendstil, München 2017, S. 71.

Malerei, einige Skulpturen, Druckgrafik und Kunsthandwerk aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien und Österreich wurden nach Gattungen und Themen in der Ausstellung den Räumen zugeteilt, um verschiedene Kapitel der Belle Époque, Fin de Siecle und des Jugendstils zu versinnbildlichen.

Den Ausgangspunkt für die Konzeption bot die Sammlung von Max Bram aus dem Bestand der Städtischen Galerie Rosenheim. Hinzu kamen zahlreiche Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen, die die gewünschte Bandbreite ermöglichten.